FAQ

Wie wird es unserem Kind damit gehen, durch eine Samenspende gezeugt worden zu sein?

Generell kann niemand wissen, wie es einem zukünftigen Menschen in seinem Leben ergehen wird. Dazu gehört auch, dass Kinder grundsätzlich das Recht haben, ihre eigene Sicht auf die Dinge zu entwickeln und diese Sicht muss sich auch nicht mit der ihrer Eltern decken.

Unsere Erfahrung ist, dass die Eltern im Vorfeld einer Familiengründung mit Samenspende viele Fragen und teils auch Ängste haben, ob sie ihrem Kind mit der Art ihrer Zeugung vielleicht eine zu große Bürde auferlegen. Sich dieser Frage zu widmen – sich zu informieren, z.B. bei Familien, die diesen Weg gegangen sind – und sich dann eine eigene Antwort zu geben, ist für das Familienklima, in dem das Kind aufwachsen wird, von entscheidender Bedeutung. Unsere Erfahrungen im Verein weisen klar in die Richtung, dass es keine grundsätzlichen Probleme für eine gute kindliche Entwicklung gibt, die auf die Art der Zeugung zurückzuführen wären. Auch wissenschaftliche Studien weisen mit starker Tendenz in die Richtung, dass die besondere Zeugungsart durch eine Samenspende die kindliche Entwicklung nicht negativ beeinflusst. (Rupp, 2009 / Golombok, 2015)

Man darf darauf vertrauen: Wenn die basalen Bedürfnisse von Kindern beachtet werden – und das schließt bei Kindern nach Samenspende auch die Möglichkeit ein, über ihre Herkunft Informationen erhalten zu können – dann steht ihrem Glück genauso wenig im Weg, wie Kindern aus herkömmlich entstandenen Familien.

Kritiker der Samenspende und anderer unkonventioneller Formen der Familiengründung argumentieren gern mit dem Kindeswohlbegriff gegen diese Familienformen. Der Kindeswohlbegriff ist aber ein hypothetisches Konstrukt. Er ist weder juristisch noch sozialwissenschaftlich definiert.

Als zentral wichtig zur Gewährleistung des Kindeswohls werden aufgrund sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse jedoch 1. eine verlässliche soziale Elternschaft, 2. die Gewährleistung einer liebevollen und verlässlichen Betreuung des Kindes durch eine oder besser mehrere 3v Bezugspersonen (3v= vertraut, verlässlich, verfügbar) erachtet. (Simoni, H., 2012)

Was also fundamental wichtig für ein Kind ist: eine gute Bindung zu den Eltern, ein intaktes Elternhaus, Gesundheit, ein soziales Netzwerk – alles das hat nichts mit der Art der Zeugung zu tun.

  • Golombok, S. (2015): Modern Families. Parents and Children in New Family Forms. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Rupp, M. (Hrsg.) (2009): Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Köln: Bundesanzeiger Verlag
  • Simoni, H. (2012): Sozialwissenschaftliche Grundlagen zu den Konzepten „Kindeswohl, Familie und Elternschaft“ im Fortpflanzungsmedizingesetz (Auftraggeber: schweizerisches Bundesamt für Gesundheit/ Auftragnehmer: Marie Meierhofer Institut für das Kind)

Wie wird es uns mit einem Kind gehen, das wir mithilfe einer Samenspende gezeugt haben?

Wir können dazu nur unsere Erfahrungen mitteilen. Dem DI-Netz sind mehrere 100 Familien bekannt. Wir sehen keine Hinweise, dass es systematisch zu Problemstellungen kommt, oder Familien ihren Schritt bereut hätten. Kritiker mögen das als interessegeleitetes Statement bezeichnen, so aber ist unsere Lebenswirklichkeit.

Wir betrachten unsere Familien nicht als mit einem Makel versehen, wir leben in unseren Familien mit der gleichen Selbstverständlichkeit und finden sie so genau richtig. Die Art der Zeugung ist kein störendes Moment in unserem Alltag, hat ja auch mit dem Alltagstrott kaum etwas zu tun. Hier unterscheiden wir uns nicht von anderen, herkömmlich entstandenen Familien.

Eltern berichten, dass sie noch nie solche Gefühle wie für ihr Kind verspürt haben, pures Glück, tiefe Liebe, große Sorge und Fürsorge. Sie können sich nicht vorstellen, dass es zu vollständig genetisch eigenen Kindern noch anders sein kann.

Das Nachdenken der Eltern über ihre besondere Familienform ist verschieden stark ausgeprägt. Wenn Sie DI-Eltern dazu befragen, wie es ihnen mit ihrem Kind geht, dann werden Sie häufig solche Antworten erhalten:

 „Ich denke schon an ihre genetische Herkunft, aber nur im Kopf, nicht in meinen Gefühlen.“

„Ich hätte es rückblickend betrachtet nicht lieber gehabt, dass es mit eigenen Zellen geklappt hätte. Ich möchte keine andere Tochter als unsere haben!!!“

„Ich könnte mir nicht vorstellen, glücklicher zu sein, wenn das Kind von meinem Mann wäre.“

„Das Kind passt genau zu uns. Wir haben nie das Gefühl, es wäre fremd.“

„Wir wollten genau dieses Kind und kein anderes“.

Ist es egoistisch, sein Kind mithilfe einer Samenspende zu bekommen?

Der menschliche Kinderwunsch ist ein sehr persönlicher emotionaler Zustand, bei dem man in einen intensiven Dialog mit sich selbst eintritt, um diesen Wunsch zu befriedigen. Auf diese Art Egoismus (oder Ichbezogenheit),  dem ein Kinderwunsch innewohnt, zielt die Frage oben aber wohl eher nicht ab. Vielmehr beinhaltet diese Frage schon die Grundüberzeugung (oder sollte man sagen Unterstellung?), dass beim so gezeugten Kind von den Wunscheltern in vollem Bewusstsein ein Leid für das Kind in Kauf genommen wird; und dies nur um ein eigenes Bedürfnis durchzusetzen. Dies ist eine Diffamierung und weder durch unsere Erfahrungen noch durch die Literatur irgendwie gedeckt. Ein Kind mithilfe einer Samenspende zu bekommen ist nicht rücksichtslos egoistisch, sondern ein Weg, der zu einem wunderbaren Ergebnis führt: zur Geburt eines Kindes und zur Gründung einer Familie.

Gelegentlich kann uns Eltern von Menschen, die unsere Familienform ablehnen, sogar Egozentrik vorgeworfen werden.  Damit verbunden ist der Vorwurf, aus reiner Selbstbezogenheit und auf Kosten unserer Kinder und ihres Wohls selbige in die Welt zu setzen. Gerne wird dann gefragt: „Wer denkt an die Kinder?“, womit gleichzeitig unterstellt wird, wir Eltern würden uns nicht um das Wohlergehen unserer Kinder sorgen. – Solche Vorwürfe weisen wir entschieden zurück, denn wir Eltern nach Samenspende sorgen so gut wie alle anderen Eltern auch für unsere Kinder. Wir nehmen unsere Kinder mit ihrer besonderen Herkunftsgeschichte ernst und respektieren auch in dieser Beziehung ihre Bedürfnisse.

Wir sind es Leid, mit Egoismus- oder gar Egozentrikvorwürfen diskreditiert und belästigt zu werden.

Wir denken darüber nach, unser Kind mithilfe eines privaten Samenspenders zu zeugen. Was gibt es dabei zu beachten?

Einige Paare möchten den Spender gern selbst auswählen und persönlich kennen.

Es gibt einige Internetseiten, auf denen sich private Spender anbieten. Wie häufig diese Geschichten positiv verlaufen, darüber haben wir leider zu wenige Informationen.

Wir können an dieser Stelle nur dazu raten, die Absichten des Spenders genau zu prüfen. Werden Sie sich klar darüber, welche Rolle der Spender später für das Kind spielen soll. Lassen Sie sich ein Gesundheitszeugnis vorlegen, um die Übertragung von schwer wiegenden Krankheiten zu minimieren und um sicher zu stellen, dass der Spender hinreichend fortpflanzungsfähig ist.

Werden Sie sich klar darüber, dass auch ein Gesundheitszeugnis des Spenders die Übertragung von Krankheiten nicht ausschließen kann. Bei einer Samenspende über die Samenbank kommen die Samenproben zum Ausschluss einer Übertragung von HIV in eine 6 Monate lange Quarantäne, bevor sie übertragen werden dürfen. Eine so hohe gesundheitliche Absicherung ist bei Nutzung der so genannten Bechermethode nicht möglich.

Für Spender: Im Gegensatz zur Spende über eine Samenbank gehen Sie mit einer privaten Samenspende – ohne ärztliche Unterstützung bei der Insemination – das volle Risiko ein, für das Kind, das mithilfe Ihrer Spende entsteht, unterhaltspflichtig zu werden. Insofern ist auch für Sie eine Auseinandersetzung mit der Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung.

Werden auch Sie sich klar darüber, welche Rolle Sie zukünftig für das Kind ausfüllen oder nicht ausfüllen wollen. Suchen Sie sich bestenfalls Empfänger, deren Vorstellungen mit Ihren Vorstellungen übereinstimmen.

Seien Sie sich bewusst, dass die Vorstellungen des zukünftigen Kindes andere sein können. Eine Samenspende sollte immer die Bereitschaft einschließen, dem zukünftigen Kind zumindest einen begrenzten Kontakt zu gewähren.

Macht es Sinn, den privaten Samenspender über das Kinderwunschzentrum spenden zu lassen?

Wir empfehlen, auch private Spenden über ein Kinderwunschzentrum abzuwickeln, um sich juristisch abzusichern. Nur so gibt es für den privaten Spender keine Gefahr, Vaterpflichten eingehen zu müssen.

Zudem werden in diesen Fällen die Spenderdaten beim Samenspenderregister hinterlegt und sind auch dann später für das Kind abrufbar, wenn Spender und Empfänger zwischenzeitlich keinen Kontakt gehalten haben.

Sollten wir Samenspenden für ein Geschwisterkind reservieren lassen?

Wenn Sie daran denken, noch ein weiteres Kind bekommen zu wollen und wenn es Ihnen wichtig ist, dass Ihre Kinder vom selben Spender abstammen, dann macht das durchaus Sinn. Wenn Sie zwei oder drei Jahre später versuchen möchten, ein weiteres Kind zu bekommen, ist der erste Spender häufig nicht mehr verfügbar.

Die Lagerung der Samenproben ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Diese erfragen Sie bitte bei Ihrer Samenbank.

Es sind keine Samenproben von dem Spender, mit dessen Unterstützung wir unser erstes Kind bekommen haben, mehr vorhanden. Ist es ein Problem, wenn wir uns für das Geschwisterkind für einen anderen Spender entscheiden?

Viele Paare, die ein Kind durch einen Spender über eine Samenbank bekommen haben, denken an ein Geschwisterkind und wünschen sich, dass dieses dieselben Wurzeln haben soll wie der große Bruder oder die große Schwester. Für diesen Zweck kann man bei der Samenbank gegen ein Entgelt Spendersamen reservieren. Manchmal ist das jedoch nicht (mehr) möglich, weil alle Samenproben des Spenders verbraucht oder anderweitig reserviert wurden.

Die Frage ist dann: Sollen wir unseren weiteren Kinderwunsch aufgeben oder zu einem anderen Spender wechseln? Mit einem anderen Spender ist die Befürchtung verbunden, zwischen den Kindern könnte ein Ungleichgewicht entstehen. Vielleicht findet das eine Kind später einen aufgeschlossenen Spender vor, das andere nicht?

In unserem DI-Netz gibt es einige Familien mit Kindern von verschiedenen Spendern. Diese bereuen es nicht, ein zweites oder drittes Kind bekommen zu haben. Wenn ein Kind erst da ist, ist es immer richtig. Zudem gibt es wohl keine Geschwister, die in allen Lebenslagen dieselben Bedingungen vorfinden. Manchmal möchte auch das eine Kind wissen, wer der Spender ist, das andere aber nicht. In solchen Fällen ist es sogar günstig, zwei verschiedene Spender gewählt zu haben. Nur, wie sich Ihre Kinder später entscheiden, das können Sie leider nicht vorhersehen.

Wir haben schon ein genetisch gemeinsames Kind. Können wir es unserem zweiten Kind zumuten, durch eine Samenspende gezeugt zu sein?

Dem DI-Netz sind leider nur sehr wenige Familien bekannt, in denen es diese Konstellation gibt.  Die Eltern, von denen wir gelesen haben, berichten, dass das für sie kein Problem ist.

Leider sind uns zu diesem Thema keine Studien bekannt. Wir können hier nur so argumentieren, dass es in unserem Land sehr viele sogenannte „Patchwork“-Familien mit Kindern unterschiedlicher Herkunft gibt. So gesehen werden Sie mit Ihrer Familie keinen so großen Ausnahmefall darstellen.

Dass Kinder sich gegenüber dem Geschwisterkind benachteiligt fühlen, das kommt häufiger vor. Bereits die Tatsache des unterschiedlichen Alters führt dazu, dass das eine Kind länger aufbleiben oder ins Kino darf und das andere nicht. Oder die ältere Schwester ist eifersüchtig, dass Mama für sie nicht genauso viel Zeit hat wie für die jüngere. Es gibt 1.000 Gründe, aus denen sich ein Kind gegenüber dem Bruder oder der Schwester benachteiligt fühlen kann.



Was könnten Sie Ihrem Kind sagen? – „Wir haben uns sooooo sehr ein zweites Kind gewünscht, aber wir bekamen keins mehr mit Papas Spermien. Deshalb hat uns ein anderer Mann Spermien geschenkt. Und wir sind überglücklich, dass wir dann doch noch dich bekommen haben. Das war das größte Geschenk unseres Lebens.“

Keine Eltern fügen ihrem Kind bereits dadurch Leid zu, dass sie es mittels Samenspende bekommen. Das geht nicht. Denn ein Kind, so, wie es ist, wäre ohne diese Spende nicht da. Dann müsste man auch sagen, dass alle Eltern ihren Kindern Leid zufügen, da sie sie auf die Welt bringen. Denn Leid erfährt  jeder Mensch im Laufe seines Lebens. Ein Kind könnte also genauso zu seinen Eltern gehen und sagen: „He, warum habt ihr mich in die Welt gesetzt? Ich muss mich so sehr anstrengen, morgens früh aufstehen, in der Schule lernen, [… usw.] Das müsste ich nicht, wenn ich nicht da wäre.“ – Kein Kind wird gefragt, ob es auf die Welt kommen will. Die Entscheidung liegt immer bei den Eltern. Und das Kind, das dann kommt, ist immer so, wie es eben ist.

Ganz gegenteilig argumentieren übrigens einige Menschen, die mit einer Behinderung geboren wurden und sich gegen Pränatal- oder Präimplantationsdiagnostik aussprechen. Sie sagen dann, die Eltern hätten nicht das Recht, zu entscheiden, ob ihr Leben lebenswert wäre. – Wir teilen nicht die Auffassung, dass man den Eltern die Autonomie über ihre Fortpflanzung nehmen sollte, aber man sieht an diesem Beispiel, dass es auch Menschen gibt, die trotz eines gewissen Leids darauf bestehen, dass sie unbedingt auf die Welt kommen wollten.

Wie geht es euch mit eurer Familie, wenn die Kinder größer werden? Hat sich etwas verändert?

Das ist eine Angstfrage. Es wird von einigen Eltern befürchtet, wenn die Kinder dann groß sind, werden sie uns, die „Rechnung präsentieren.“

Wir können aus dem DI-Netz berichten, dass unsere Kinder, die alle früh über ihre Zeugungsgeschichte erfahren haben, eher unspektakulär aufwachsen. Aus unseren Familien ist uns nicht bekannt, dass jüngere oder ältere Kinder mit ihrer Zeugungsart hadern. Wir haben nicht den Eindruck, dass unsere jugendlichen Kinder sich in ihrem Befinden von anderen Jugendlichen unterscheiden. Der Spender wird von ihnen eher selten thematisiert.

Diese Fragen z.B. können sich Jugendliche in Bezug auf den Spender stellen: „Was ist der Spender für ein Mensch? – Welche Charakterzüge hat er? – Wo kommt er her? – Wo wohnt er jetzt? – Wie heißt er? – Warum hat er Samen gespendet? – Gibt es andere Kinder dieses Spenders? -Welche weiteren Familienangehörigen gibt es noch und wie sind die? – Welchen Beruf und welche Hobbys hat er? – Wie sind seine gegenwärtigen Lebensumstände? – Würde er mir schreiben? – Würde er mich treffen? – Kann ich ein Foto sehen?“

Und das sagen unsere Familien aus dem DI-Netz:

„Nein es hat sich nichts verändert. Unsere 16jährige Tochter vergisst es sogar manchmal. Es ist so überhaupt kein Thema im täglichen Leben.“

„Das Interesse am Spender und an dem Thema ist nach wie vor eher gering. Unsere Kinder sind jetzt 14, 10,10“

„Verändert hat sich das Thema nur insofern, dass es inzwischen kein Thema mehr ist.
Als die Kinder 6 Jahre alt waren, haben wir ganz bewusst mit ihnen darüber gesprochen. Bis sie ungefähr 10 Jahre alt waren, war es immer mal wieder im Gespräch. Es gab nur einmal die Situation, nach dem Motto „du hast mir nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater!“. Ansonsten ist das Thema positiv besetzt.“

„Unsere Tochter, fast 10, hat so 2x in den letzten 2 Jahren ungefähr eine Art „Erkenntnisschub“ gehabt, wo ihr klar geworden ist, dass das mit der Samenspende auch bedeutet, dass sie körperlich/genetisch nichts von ihrem Papa geerbt haben kann- was sie auch für einen Moment traurig gemacht hat. Ich finde es wichtig, das dann auch nicht „kleinzureden“.

 „Unser Sohn, 20, wurde mit 8 Jahren über die Samenspende aufgeklärt. Es gab hin und wieder, eher selten, einzelne Äußerungen von ihm, die zeigten, dass er sich mit dem Thema auseinandersetzt. Wenn wir das Thema ansprachen, zeigte er aber meistens wenig Interesse. Ihm war früh klar, dass er dieses Wissen nicht mit seinen Freunden und anderen Personen teilen möchte. Heute sagt er, vielleicht möchte er mal Politiker werden oder ein Unternehmen gründen. Dann könne er es nicht gebrauchen, wenn aufgrund der Samenspende negativ besetzt über ihn hergezogen wird. – Am Spender hat er kein Interesse. Wir sind seine Familie und das ist gut so.“

 „J. ist gerade 15 geworden. Sie wusste es von klein auf. Geändert hat sich nichts bei uns. Sie hat kein Interesse daran, Näheres über ihren „Erzeuger“ zu erfahren. Wir sind ihre Eltern und gut. Deshalb belassen wir es damit.“

„F., 17, sieht seine Entstehungsweise mithilfe einer Samenspende ganz relaxt. Er selbst thematisiert das selten. Wenn wir darauf zu sprechen kommen, sagt er, er findet es gut, wenn auch andere diese Geschichte kennen. Zwei oder drei Freunden hat er darüber etwas erzählt, weil das Gespräch zufällig auf das Thema Samenspende kam. Ein Freund hätte sich gefragt, wie es den betreffenden Kindern wohl geht. Da hat unser Sohn geantwortet, das könne er sagen, bei ihm war das auch so. Er scherzte, er wäre Superman. Komischerweise haben die anderen dann gar nichts mehr gefragt und hatten schnell ein anderes Thema. – Als wir unserem Sohn vor ca. 3 Jahren sagten, er könne bei der Samenbank nachfragen, wer der Spender war, fand er das cool. Bisher hat er aber nicht danach gefragt.“  


In einigen uns bekannten Fällen haben ältere Kinder bereits Kontakt zum Spender aufgenommen. Hier wird der Kontakt von den Eltern unterstützt und wohlwollend begleitet.

Würdet ihr den Weg der Familiengründung mit Samenspende noch einmal beschreiten?

Umfragen in unserem Netzwerk haben ergeben, dass keiner der Eltern uns berichtete, diesen Weg bereut zu haben.

Alle Befragten antworteten uns etwa so: „Wir haben diese Entscheidung nicht ein einziges Mal infrage gestellt. Warum auch? Unsere Kinder sind unser größtes Glück. Wir würden alles immer wieder ganz genauso machen.“ 

Warum klären viele Eltern ihre Kinder nicht über die Samenspende auf?

Wie viele Eltern in Deutschland und anderswo auf der Welt ihre Kinder heute über die Samenspende aufklären, dazu gibt es leider keine belegbaren Zahlen.

Der Verein „Spenderkinder“ bezieht sich gern auf eine Metastudie aus den Jahren 1996 bis 2013 aus verschiedenen Ländern (ohne Deutschland), in der der Anteil der befragten Eltern mit Kindern über 10 Jahren sehr gering war und nach der 35% der befragten Eltern ihre Kinder über die Samenspende aufgeklärt hatten. Sich auf solche Daten zu beziehen, wenn wir über die heutige Situation in Deutschland sprechen, das sehen wir kritisch.

Wir können aus unserer Kommunikation mit vielen Eltern vor und nach Samenspende nur feststellen, dass die Aufklärungsbereitschaft in den letzten 20 Jahren permanent gestiegen ist. Die Aufklärungsbereitschaft ist nicht nur aufgrund des Samenspenderregisters, der Arbeit von DI-Netz e.V., des Vereins „Spenderkinder“ und des Beratungsnetzwerkes BKID gestiegen, sondern auch aufgrund einer veränderten Berichterstattung in den Medien. Die Medienberichterstattung im Jahr 2000 war noch deutlich stigmatisierender als sie es heute ist. Es kommt wesentlich darauf an, dass die Eltern sich mit ihrer Familienform akzeptiert und wohl fühlen. Das ist eine Voraussetzung für Offenheit und für die Aufklärungsbereitschaft gegenüber dem Kind.

Tatsache ist aber auch, dass auch heute immer noch nicht alle Eltern dazu bereit sind, ihr Kind mit dem Wissen über die Samenspende aufwachsen zu lassen. Dahinter stecken nicht egoistische Absichten der Eltern, sondern das Motiv, dass Eltern ihre Kinder vor einem Umfeld von Stigmatisierung und fehlender Akzeptanz schützen wollen.

Oft ist die Befürchtung dieser Eltern unbegründet. Allerdings sind wir auch noch weit von einer völligen Gleichstellung unserer Familienform gegenüber anderen Familien entfernt. Auch heute noch gibt es eine Reihe von Medienberichten und Büchern, in denen unsere Familienform abgewertet wird. Und unser Gesetzgeber erlaubt den Krankenkassen bis heute nicht, die Familiengründung mit Samenspende zu finanzieren. Das Samenspenderregistergesetz und das noch in der Entwicklungsphase befindliche Abstammungsrecht sind erst neueren Datums. Unsere Familien müssen sich erst daran gewöhnen, dass sie das dem Gesetzgeber jetzt wert sind.

Nach unserem Eindruck ist die Aufklärungsrate im eher religiös geprägten ländlichen Umfeld geringer als in der offenen Großstadt. Auch das ist ein Ausdruck davon, dass aufklärungsunwillige Eltern eher befürchten, als Familie nicht von ihrem Umfeld akzeptiert zu werden sofern die Tatsache der Familiengründung mit Samenspende bekannt wird.

Sind wir mit unserer Familienform vollständig anerkannt? Oder müssen wir mit Benachteiligungen rechnen?

Wir Familien im DI-Netz haben – genau wie Familien in unseren internationalen Partnerorganisationen  – erfahren, dass unsere direkten Mitmenschen positiv oder neutral reagieren, wenn wir von unserer besonderen Familiengeschichte erzählen. Oft reagiert das Umfeld wesentlich entspannter als dies von Wunscheltern im Vorfeld befürchtet wird.

Stigmatisierend hingegen sind diverse Medienberichte und einige Bücher. Manchmal sind es nur einzelne verwendete Begriffe („Eugenik“/ „Machbarkeitsideologie“/ „Designerbaby“/ „Autonomierhetorik“), manchmal aber auch Wortgruppen („Kind auf Bestellung“/ „Kind als Objekt“/ „Gespaltene Elternschaft“/ „egoistischer Kinderwunsch“/ „Künstliche Fortpflanzung“) oder ganze Texte. Auch Aussagen bei Diskussionen im Internet zeigen immer wieder, dass einige unserer Mitbürger unsere Familienform nicht anerkennen. Solche Menschen kennen uns selten persönlich, bilden sich aber trotzdem eine laienhafte Meinung darüber, wie es uns Familien und besonders unseren Kindern angeblich geht.

Auch der Staat akzeptiert unserer Familienform noch nicht hinreichend, was sich in der Ungleichbehandlung gegenüber anderen Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch ausdrückt, die z.B. im Gegensatz zu uns eine Kostenübernahme ihrer reproduktionsmedizinischen Behandlungen erhalten.

Man sollte das Problem der Stigmatisierung der Samenspende nicht einfach leugnen oder verharmlosen. Stigmatisierungsängste bei Eltern und Kindern sind keineswegs generell unbegründet. Mit der Offenbarung der Samenspende wird Kontrolle über diese Information abgegeben. Daraus erwächst Macht zur sozialen Anerkennung oder aber Ächtung beim Gegenüber. Unsere Familien haben nicht wirklich in der Hand, wie der Andere die Samenspende beurteilen wird. Auch lassen sich soziale Urteile, die nicht direkt geäußert werden, für Betroffene nur schwer einschätzen. Gleichwohl muss ein Umgang damit gefunden werden. Eine Diskreditierung der Nutzung einer Samenspende wird nicht zwingend offen und ehrlich geäußert. Zu den subtileren Formen der Stigmatisierung zählen das „Reden hinter vorgehaltener Hand“, das „Othering“ (= Übertriebene Darstellungen unserer Familien als „ganz anders“ und „unnormal“) bis hin zu der stillschweigenden Annahme, dass Familien, die auf herkömmlichen Weg entstanden sind, unseren Familien selbstredend überlegen seien.  

Familien nach Samenspende reagieren auf die wahrgenommene Stigmatisierung. Früher versuchten Eltern, über die Samenspende gar nicht erst zu sprechen, heute betreiben Familien andere Arten des Stigma-Managements. So wird die donogene Zeugungsgeschichte meistens nur einem kleinen, ausgesuchten Kreis von Vertrauten offenbart, oft nur Stück für Stück.

Was wünscht sich DI-Netz e.V. von der Politik?

  • Enttabuisierung und Entstigmatisierung der Gametenspende; Akzeptanz                                                           
  • Eltern sollten stark gemacht werden, offen mit ihrer Familienform umzugehen und stolz auf sich zu sein                                                                                                                 
  • Gleichberechtigung von Frauenpaaren                                                                                    
  • Akzeptanz von Single-Frauen mit Kinderwunsch                                                                    
  • Samenspenderregister, Verbesserungen: z.B. eine Lösung für eine gesicherte Aufbewahrung der Spenderdaten für Menschen, die vor dem 01.07.2018 mittels Samenspende gezeugt wurden/  Mediationsstellen, damit die Spender nicht so viel Angst haben, sich auf Kontakt einzulassen/ Umfangreichere Informationen über den Spender/ Möglichkeit der Suche nach Halbgeschwistern über das Spenderregister/ begrenzte Kinderzahl  eines Spenders                                                                                                                       
  • Kostenübernahme der Familiengründung mit Samenspende durch die GKV                                    
  • Weniger paternalistische Abläufe / Mehr Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten für die zukünftigen Eltern                                                                                                                                                                         
  • Mehr Beteiligung der Eltern an politischen Debatten                                                                           
  • Zulassung von Eizell- und Embryonenspende unter bestimmten Umständen und Vorschriften                                                                                                                        
  • Offene Spenden auch im Ausland

Was macht der Verein DI-Netz?

Ziel unseres Vereins ist erstens die öffentliche Bewusstseinsbildung zum Thema „Familienbildung mit Spendersamen“ und zweitens die Unterstützung und Vernetzung von Familien, die durch Fremdsamenspende entstanden sind, sowie von Paaren und Personen, die diese erwägen. Wir wollen dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Familienbildung mithilfe der Donogenen Insemination (DI) zu steigern und Erfahrungen von gesellschaftlicher Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Dazu gab es seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2013 zahlreiche Aktivitäten, über die Sie sich auf unserer Homepage informieren können. Unsere größten Projekte waren und sind:

  • Die Vernetzung von mehreren hundert Familien in ganz Deutschland über Regionalgruppen
  • Verfügbarmachen von Informationen für alle Menschen, die beabsichtigen, ihre Familie mit einer Samenspende zu gründen oder die das bereits getan haben
  • Durchführung von Vorbereitungsseminaren auf die Familiengründung mit Samenspende
  • Juristische Prozessbegleitung
  • Öffentliche Bewusstseinsbildung durch Präsenz in zahlreichen Medien.
  • Die Übersetzung und Veröffentlichung der vom englischen Donor Conception Network erstellten Bücher „Telling and Talking“ (auf deutsch: „Offen gesprochen), die Eltern dazu befähigen, mit ihren Kindern über die Samenspende zu sprechen
  • Politische Überzeugungsarbeit, die auf ein Samenspenderregister gerichtet war. Das Samenspenderregister ist zum 01.07.2018 in Kraft getreten. Jetzt treten wir für eine Verbesserung dieses Gesetzes und für eine Verbesserung der Umsetzung ein.
  • Politische Überzeugungsarbeit, die auf eine Kostenübernahme der Familiengründung mit Samenspende durch die GKV gerichtet ist
  • Teilnahme und Präsenz auf zahlreichen Konferenzen und Veranstaltungen

Es werden weiterhin Interessierte gesucht, die uns bei diesen und anderen Aktivitäten unterstützen.

Sollten wir Mitglied im DI-Netz werden?

Ob man die Behandlungszeit hinter sich lässt oder sich nun für Familien, die mithilfe von Spendersamen entstanden sind, engagiert, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Nur: Fühlen Sie sich als DI-Familie mit der derzeitigen rechtlichen Situation und mit der Medienberichterstattung zu dem Thema wohl? Können Sie immer mit gutem Gefühl zu allen und jedem offen über Ihre Art der Familiengründung sprechen? – Nein? Dann braucht es doch noch etwas Engagement, um die Situation zu verbessern.

Es ist nicht einfach, eine verbesserte Situation für DI-Familien zu erreichen. Gerade auch deshalb, weil es auch in den Reihen von Politikern noch viele konservative Vorurteile gibt. Um etwas erreichen zu können, müssen wir möglichst viele sein.