Worte prägen, wie wir uns selbst und andere sehen – besonders in Familien nach Samenspende. Wir möchten darüber diskutieren, ob der Begriff „Spenderkinder“ eine Art Identitätszwang erzeugt und die Selbstbestimmung unserer Kinder einschränkt. Warum wir uns bei DI‑Netz bemühen, andere Formulierungen zu wählen und wie dies Kindern und Eltern mehr Freiheit lässt, erfahren Sie in unter unseren FAQs.
Archiv des Autors: Ulrich
Ein Wochenende, das verbindet – das große DI-Netz-Familientreffen 2025
Vom 3. bis 5. Oktober 2025 war es endlich so weit: Nach langer Vorbereitung fand das erste große DI-Netz-Familienwochenende statt – ein Ereignis, das viele Mitglieder schon seit Jahren herbeigesehnt haben. In einer Familienbildungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeit kamen rund 140 Personen zusammen – etwa 40 Familien mit insgesamt rund 60 Kindern, also fast ein Drittel aller Vereinsmitglieder.
Schon am Freitag reisten die ersten Familien an, und bald füllte sich das Haus mit Leben: Kinder fanden schnell zueinander, Eltern kamen ins Gespräch, vertraute Gesichter trafen auf neue. Eine lebendige, offene Atmosphäre zog sich durch das ganze Wochenende.
Vielfalt und Begegnung – Ein Programm wie ein bunter Blumenstrauß
Das Wochenende war voll von spannenden und bewegenden Momenten – „ein fulminantes Feuerwerk“, wie eine Teilnehmerin es ausdrückte.
Nach der Begrüßung durch Ulrich, der in einer kurzen Rückschau die beeindruckende Entwicklung des Vereins würdigte, begann ein vielseitiges Workshop-Programm.
Große Themen, starke Stimmen
Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene war gleichermaßen etwas dabei:
• Kinderaufklärung mit Handpuppen (Marcus und Kerstin) – anschaulich, kindgerecht und mit viel Humor
• Frauengruppe (Judith und Christine) – Die Teilnehmerinnen verteilten sich in Kleingruppen im Raum, um sich über Fragen der Aufklärung, Erziehung und Familiendynamik sowie zum Umgang im sozialen Umfeld auszutauschen.
• Männergruppe (Klaus) – persönliche Gespräche übers Vatersein, die Diagnose Unfruchtbarkeit und das eigene Selbstbild.
• Solo-Mütter und lesbische Frauen (Ira) – Austausch einiger Mütter mit Kindern unterschiedlichen Alters über ihren Weg zur Mutterschaft und ihre Erfahrungen, über die besondere Familiensituation und gegenseitige Unterstützung.
• „Offen gesprochen“- Workshop für Eltern (Claudia) – mit nützlichen Hinweisen und Austausch zur Aufklärung der Kinder und zum Umgang mit dem Thema im sozialen Umfeld.
• Informationen zum Samenspenderregister des BfArM (Ulrich)
• Vorstellung des Vereins „Spenderkinder“: Sunny stellte ihren Verein vor, in dem vor allem ältere erwachsene Kinder aus Samenspende organisiert sind, und sie spielte sogar einen eigenen Song zum Thema ein. In der anschließenden, teills lebhaft geführten Diskussion mit den erwachsenen Kindern und Eltern im DI-Netz wurde deutlich, wie sich die Erfahrungen der älteren und jüngeren Generation der Kinder unterscheiden – und wie viel offener heute über das Thema gesprochen wird.
• Einblick in die Arbeit des Donor Conception Network (DCN) in Großbritannien: Sonja stellte die 20 Jahre ältere Partnerorganisation des DI-Netzes vor. Viele von uns haben in der Vergangenheit immer wieder mit Bewunderung auf das DCN mit den großen jährlichen Konferenzen in London geschaut – nun endlich gab es mit diesem Wochenende auch in Deutschland ein, wenn auch kleineres, Familientreffen in vergleichbarer Atmosphäre. Ja, unser Treffen hatte einen Hauch von DCN.
Besonders eindrucksvoll waren die Plenumsveranstaltungen, die in einem größeren Saal stattfanden – die Stimmung war aufmerksam, warm und lebendig.
Hier ging es um zentrale Themen der Vereinsarbeit: rechtliche Aspekte (Dr. Helga Müller, Frankfurt), die Vorstellung eines Samenspenders (Martin), der mit viel Offenheit und Reflexion über seine Motivation zur Samenspende sprach und darüber, wie er die Begegnung mit einer Person erlebt hat, die aus seiner Samenspende entstanden ist. Und schließlich fünf erwachsene Kinder aus dem DI-Netz, die aus eigener Erfahrung berichteten, wie es ist, von Anfang an mit dem Wissen um die Samenspende aufzuwachsen. Ihre ehrlichen, berührenden Worte und die anschließenden Gespräche gehörten zu den bewegendsten Momenten des Wochenendes.
Glücklicherweise konnten wir neben dem Hauptprogramm auch eine Turnhalle des Hauses nutzen, in der die jüngeren Kinder nach Herzenslust spielen und toben konnten. Bei Bedarf gab es aber auch die Möglichkeit, sich aus dem allgemeinen Trubel in ruhigere Ecken zurückzuziehen; außerdem gab es Gelgenheit, am Büchertisch etwas zu schmökern.
Nähe, Austausch und Verbundenheit
Neben dem offiziellen Programm waren es die vielen Gespräche in kleinen Grüppchen, die Begegnungen in den verschiedenen Räumen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten, die dieses Wochenende so besonders machten. Wer wollte, konnte auch mit Notizen auf Stellwänden nach anderen Familien aus der eigenen Region suchen – oder nach Familien mit demselben Spender, also nach sog. genetischen Halbgeschwistern. Und tatsächlich kam es zu einem „Match“.
Abends saßen manche Eltern noch länger zusammen, manche Kinder rollten mit Puppenwagen über die Flure, spielten Großeinsatz mit Feuerwehrautos oder in einer größeren Gruppe „Werwolf“. Überall war spürbar, wie unglaublich wertvoll es ist, mit anderen Familien Zeit zu verbringen, die genauso durch Samenspende entstanden sind – für die Kinder ebenso wie für die Erwachsenen.
Ein Meilenstein für den Verein
Das Wochenende machte deutlich, was das DI-Netz auszeichnet: die Fähigkeit, Menschen zu verbinden, Wissen zu teilen und Familien zu stärken. Der Verein, der seit Jahren vielfältige Unterstützung anbietet – von Beratung und Vorbereitungsseminaren über politische Arbeit und Publikationen bis hin zu Vernetzung untereinander und digitalen Foren –, zeigte an diesem Wochenende seine ganze Lebendigkeit. Dieses erste große Treffen brachte die Stärke des Vereins auf den Punkt – das Miteinander als Herzstück der Gemeinschaft.
Blick nach vorn – neue Familiengruppen entstehen
Aus dem Geist dieses Wochenendes heraus werden in nächster Zeit wieder neue überregionale Familiengruppen gegründet (mit jeweils rund 10 Familien). Konkret sind gerade drei weitere Gruppen in Planung, jeweils für Familien mit Kindern in ähnlichen Altersstufen: U3; 3–5 Jahre; Ü5. Jede dieser Gruppen möchte sich etwa einmal jährlich zu einem gemeinsamen Wochenende in einer Jugendherberge treffen – ganz nach dem erfolgreichen Vorbild der ersten Gruppen „IDI“ und „di-familie“, deren Kinder heute bereits erwachsen sind.
Interessierte Mitglieder sind herzlich eingeladen, sich beim Verein zu melden, wenn sie Teil einer dieser neuen Gruppen werden möchten.
Fazit
Dieses Wochenende war mehr als nur ein Vereinstreffen – es war ein Stück gelebte Gemeinschaft, ein sichtbarer Ausdruck dessen, was das DI-Netz über all die Jahre aufgebaut hat: ein tragfähiges, warmes und offenes Netz von Familien.
Vielen Dank an alle, die zum Gelingen beigetragen haben – vor allem aber an die fantastische Vorbereitungsgruppe Ulrich, Christine, Judith, Marcus, Klaus und Ira!
Positives Feedback von Teilnehmer:innen:
„Wir sind ganz beseelt und fühlen uns wie im Rausch. So viele Familien an einem Ort zu treffen, die alle Kinder aus Samenspende haben, das ist überwältigend.“
„Für mich war das ein echtes Highlight unserer Vereinsarbeit: Allein für diese Veranstaltung haben sich die letzten 13 Jahre Vereinsaktivität gelohnt.“
„Ich muss mal sagen: Wir verdanken Euch so unglaublich viel. Ohne die Unterstützung von DI-Netz hätten wir heute nicht diese tollen Kinder und könnten nicht hier unter diesen ganzen anderen Familien sein!“
„Das Treffen war für mich echt wichtig. Mein Sohn hat zum ersten Mal andere Kinder getroffen, die auf dem gleichen Weg entstanden sind. Das Zusammensein mit anderen Familien hat uns gestärkt und wir nehmen das gute Gefühl mit nach Hause, nicht allein zu sein. Übrigens wollen wir mit einigen, die wir hier kennengelernt haben, weiter in Kontakt bleiben.“
„Dickes Lob an die Vorbereitungsgruppe – das war toporganisiert und richtig informativ.“
Neue Termine Vorbereitungsseminare 2026: „Familiengründung mit Samenspende – unser Weg?!“
Im DI-Netz gibt es sehr viel Erfahrungswissen zur Familiengründung mit Spendersamen, und wir geben dieses Wissen gerne an andere weiter. Deshalb freuen wir uns, Informationsveranstaltungen anbieten zu können, die Ihnen den eigenen Weg erleichtern können.
Samenspende – unser Weg?
Die Spendersamenbehandlung ist mehr als eine medizinische Methode. Bevor sich Paare entscheiden, auf diesem Weg ein Kind zu bekommen, machen sie sich einige Gedanken. Manche sehen einer Samenspende mit leichtem Herzen entgegen, andere finden diese Idee zunächst ziemlich befremdlich. In jedem Fall wollen Paare auf Dauer gut mit dem gewählten Weg leben können.
Falls Sie darüber nachdenken, eine Samenspende zu nutzen, hilft es:
- sich so viel fundierte Information zum Thema zu verschaffen wie möglich, damit Sie Ihre Situation kompetent einschätzen können.
- sich Zeit zu nehmen, die Samenspende gründlich miteinander zu besprechen, damit Sie mögliche Missverständnisse aus dem Weg räumen.
- andere Paare kennenzulernen, die mit den gleichen Fragen beschäftigt sind wie Sie, damit Sie sich mit dem Thema nicht allein fühlen.
Der Rahmen eines Informationsnachmittags bietet daher eine besonders gute Gelegenheit, sich mit der Samenspende auseinanderzusetzen. Das Seminar soll Ihnen helfen, eine gute Entscheidung für oder gegen die Samenspende zu treffen.
Das Seminar bietet:
- Informationen zu juristischen, medizinischen und psychologischen Aspekten der Spendersamenbehandlung
- Informationen zur Wahl des Arztes, der Samenbank und der Spenderauswahl: Was können Sie beachten?
- Informationen über die Entwicklung von Kindern nach Samenspende: Wie geht es den Kindern? Sollten Sie mit dem Kind später über die besondere Zeugungsart sprechen?
- Hilfestellung bei der Überlegung, ob Sie mit Freunden, nahen Verwandten oder Außenstehenden über die Samenspende sprechen wollen.
- Gemeinsame Reflexion der Rolle des Samenspenders und relevante Informationen zum Samenspenderregistergesetz
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars erfahren, was Eltern und Kinder persönlich über die Familiengründung mit Spendersamen zu berichten haben.
Dabei soll es genügend Raum geben, sich über eigene Gedanken hinsichtlich der Samenspende auszutauschen.
Termine und Ort:
Die Seminare finden regelmäßig statt.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland sind willkommen. Für den Fall einer weiten Anreise sind wir Ihnen gern bei der Organisation einer Unterkunft behilflich.
Die nächstenTermine sind:
Sonntag, 19. April 2026, 11-17 Uhr, Bielefeld
Sonntag 11. Oktober 2026, 11-17 Uhr; Bielefeld
Teilnehmerzahl: 8 – 18 Personen
Kosten:
60 Euro pro Person,
ermäßigt für Mitglieder von DI-Netz e.V. 45 Euro pro Person
Rücktritt: bis 2 Wochen vor Veranstaltungstermin, 50% Erstattung.
Anmeldung:
Per Post oder via Email an claudia@di-netz.de.
Bitte geben Sie Ihre Postadresse, evtl. Email und Ihre Telefon-Nummer an.
Die Anmeldung ist rechtsverbindlich, wenn der Teilnahmebeitrag überwiesen wurde. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung mit weiteren Informationen nach erfolgreicher Anmeldung.
Seminarleiter und -leiterinnen
Seminarleiter sind Eltern nach Samenspende und Vorstandsmitglieder des DI-Netz e.V.
Claudia Brügge, Jg. 67, Psychologische Psychotherapeutin,
Ulrich Simon, Jg. 65, Familientherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
Neue gesetzl. Bestimmungen in Rheinland-Pfalz: Finanzielle Unterstützung bei Fremdsamenbehandlung
2. DI-Netz ExpertInnen Videochat am 28.05.2024 mit Dr. Helga Müller
2. DI-Netz ExpertInnen Videochat am 28.05.2024
mit Rechtsanwältin Dr. Helga Müller zum Thema
„Die rechtliche Stellung der Väter – vor, während und nach der Spendersamenbehandlung“
Nach einem Kurzreferat beantwortete Frau Müller Fragen der zugeschalteten Teilnehmer. Wir fassen hier ihren Kurzvortrag, sowie die Fragen an sie und ihre Antworten zusammen. Wir danken Helga Müller für Ihre Teilnahme.
Wichtiger Hinweis:
Dies ist eine gekürzte Zusammenfassung eines Protokolls; falls sich, trotz sorgfältiger Bearbeitung, inhaltliche Fehler darin befinden, dann gehen diese allein auf unser Verständnis der Ausführungen und Antworten der Referentin zurück.
Das Team des DI-Netzes
Vortrag RA Dr. Helga Müller:
Es sind grundsätzlich drei Phasen zu unterscheiden:
- Die Phase von der Planung der Familiengründung mit Samenspende bis zur Behandlung.
- Daran anschließend die Phase von der Behandlung und der Schwangerschaft bis zur Geburt des Kindes
- Die Phase nach der Geburt des Kindes
Relevante rechtliche Unterschiede stellen sich in den jeweiligen Phasen dadurch ein, ob ein Kinderwunschpaar verheiratet ist oder nicht!
Grundsätzlich gilt, mit dem Samenspenderregistergesetz hat sich die Rechtslage weitgehend geklärt.
Zur Phase (1)
- Themen wie Sorgerecht, Umgangsrecht, Unterhaltsverpflichtungen sind bei verheirateten Paaren per Gesetz geregelt: §1353 BGB umfasst die gegenseitige Verantwortung und gemeinsame Familienplanung in der Ehe.
- Bei nichtverheirateten Paaren kann schon in dieser ersten Phase eine Absichtserklärung zum Sorgerecht, Umgangsrecht und den Unterhaltsverpflichtungen sehr hilfreich sein; falls später Komplikationen auftreten, hat man damit Vorkehrungen getroffen.
- Diese Vereinbarung (sich vorab für die gemeinsame Sorge und den Unterhalt für das gewünschte Kind zu verpflichten) ist für nichtverheiratete Paare zu empfehlen.
- Über diese vertragliche Erklärung sichern sich Mutter und Vater gegenseitig ab. Z.B. könnte die Mutter nach einer Trennung Unterhalt einfordern, oder aus Sicht des Vaters bekommt er frühzeitig eine vorgeburtliche Anerkennung seiner Vaterschaft, was in bestimmten Fällen vieles erleichtern kann.
- Für nicht verheiratete Paare empfiehlt sich also spätestens in der 2. Phase eine solche, am besten auch notarielle Vereinbarung zu hinterlegen.
- Der Vorteil von notariellen Vereinbarungen: Notariell hinterlegte Verträge sind nicht einfach kündbar und wären nur dann widerrufbar, wenn eine Partei nachweisen könnte, dass sie bei Vertragsabschluss nicht im Besitz ihrer geistigen Kräfte war. Für diesen Nachweis werden sehr strenge Kriterien angelegt.
- In einer Vereinbarung kann auch stehen, welcher Elternteil wann in Elternzeit geht.
- Arztpraxen und Samenbanken verlangen oft ebenfalls einen Behandlungs- oder Notarvertrag, um zu beweisen, dass zwischen den Partnern Einvernehmen zur Zeugung eines Kindes besteht und sie die elterlichen Pflichten übernehmen. Dies schützt die Behandler vor möglichen Unterhaltszahlungen.
Zur Phase (2)
- In der Ehe ist die gegenseitige Verantwortung sowohl füreinander als auch für das gemeinsame Kind gesetzlich klar und verbindlich geklärt.
- Eine vorgeburtliche Anerkennung der Vaterschaft kann aber auch bei Ehepaaren in dieser Phase sinnvoll sein: z.B. bei Geburtskomplikationen, oder auch bei Krankheit der Mutter, wenn der Vater Entscheidungen treffen muss.
- Für nichtverheiratete Paare macht es erst recht Sinn.
- Gesetzeslage: §1592 Nr. 2 („Vater eines Kindes ist der Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat.“) und §1594 Abs. 4 („Die Anerkennung ist schon vor der Geburt des Kindes zulässig.“) und § 1595 Abs. 1 BGB („Die Anerkennung bedarf der Zustimmung der Mutter.“)
- Es gibt für den Mann kein Anwesenheitsrecht bei den Gesundheitsuntersuchungen. Das lässt sich aber auch im Notarvertrag regeln.
Zur Phase (3)
- Im Falle der Ehe ist der Ehemann von Gesetzes wegen Vater.
- Bei Nichtverheirateten muss man eine Vaterschaft anerkennen lassen (Jugendamt). Es gibt auch die Möglichkeit des nachgeburtlichen Anerkenntnisses.
- Der rechtlich anerkannte Vater wird auch ins Geburtenregister eingetragen.
- Es wäre möglich, dass trotz vorheriger Vereinbarung die Mutter kein Einverständnis zur Vaterschaft gibt. Das Gericht könnte dann anordnen, dass der Vater trotzdem (wegen der vorherigen Vereinbarung) eingetragen wird.
- §1600d Abs. 4 BGB: „Ist das Kind durch eine ärztlich unterstützte künstliche Befruchtung in einer Einrichtung der medizinischen Versorgung im Sinne von § 1a Nummer 9 des Transplantationsgesetzes unter heterologer Verwendung von Samen gezeugt worden, der vom Spender in einer Entnahmeeinrichtung im Sinne von § 2 Absatz 1 Satz 1 des Samenspenderregistergesetzes zur Verfügung gestellt wurde, so gibt es aufgrund des Samenspenderregistergesetzes keine Option/Gefahr, dass der Samenspender als Vater dieses Kindes festgestellt werden kann.“ Dies bietet für den Wunschvater eine hohe Sicherheit.
- Allerdings: Wenn die Samenspende nicht „medizinisch“ war (also keine Entnahme in einer medizinischen Einrichtung und keine assistierte Befruchtung durch ein Kinderwunschzentrum), dann sind auch Umstände denkbar, bei denen der Samenspender zum rechtlichen Vater erklärt werden kann.
- Sind die Verfahrenswege für eine Schwangerschaft solche, wie sie vom Samenspenderregistergesetz vorgesehenen sind, dann wird nicht nur der DI-Vater (der intendierte Vater) zum rechtlichen Vater, es ist zudem die Anfechtbarkeit des DI-Vaters als rechtlicher Vater ausgeschlossen! Der Samenspender kann dann nicht als Vater festgestellt werden.
- Bei privat vermittelten Samenspenden kann es hier zu ungewollten Komplikationen kommen (siehe unten).
Fragerunde und interessante Fakten:
- Zu den Notarverträgen: Die Texte sind sich alle ähnlich und unterscheiden sich nur kosmetisch, sprich, die Notare haben eine Art defacto Standard.
- Warum will eine Kinderwunschpraxis einen Notarvertrag, eine andere nicht? Das hat mit unterschiedlichen Auslegungen der Rechtslage und einem unterschiedlichen Absicherungsbedürfnis der Kinderwunschpraxen zu tun. Manche verlangen diese notarielle Beurkundung grundsätzlich von den Wunscheltern, manche nur von nichtverheirateten Paaren.
- Private Samenspenden sind bisher nicht im Samenspenderregistergesetz (SaRegG) eingetragen. Man müsste sich in diesem Fall selbst eintragen lassen. Es gibt ein Urteil zu dem Fall, dass der Spender eines lesbischen Paares nach der Geburt doch der rechtliche Vater werden wollte. Er bekam die Vaterrechte. Hier wurde ein Paragraf angewandt, nach dem der genetische Vater eines Kindes aus einer Affaire auch Rechte am Kind haben kann.
- Gerichtliche Klärungen allgemein im Zusammenhang mit der Samenspende gibt es kaum mehr, inzwischen geht es meist um Leihmutterschaftsfälle im Ausland.
- Anfechtung der Vaterschaft:
- Die Vaterschaft des DI Vaters nach einem SaRegG konformen Verfahren kann nicht angefochten werden, ….
- §1600(4) BGB: „Ist das Kind mit Einwilligung des Mannes und der Mutter durch künstliche Befruchtung mittels Samenspende eines Dritten gezeugt worden, so ist die Anfechtung der Vaterschaft durch den Mann oder die Mutter ausgeschlossen.“
- Jedoch: das volljährige Kind kann die Vaterschaft anfechten.
- Sobald ein Kind erfährt, dass es aus eine Samenspende gezeugt wurde, hat es 2 Jahre Zeit, die Vaterschaft anzufechten.
- Kuriosa:
- Gibt es das, dass die Vaterschaft durch das Kind angefochten wird und dass kein neuer rechtlicher Vater benannt ist? Ja, das gibt es.
- Früher gab es Anfechtungsverfahren durch die Mütter nach Samenspende. Den DI-Vätern konnte die Vaterschaft aberkannt werden. Sie hatten dann kein Umgangsrecht, mussten aber zahlen.
- Es gab auch einen Fall, in dem ein erwachsenes Kind den Mann als Vater hat feststellen lassen, der für ihn die Vaterrolle lange Zeit eingenommen hatte (neue Beziehung der Mutter nach Trennung vom DI-Vater). Der rechtlich anerkannte Vater (DI-Vater) spielte im Leben des Kindes nach der frühen Trennung von der Mutter keine Rolle mehr. Obwohl schon 40 Jahre alt konnte das Kind/ein Mann belegen, dass er erst vor weniger als zwei Jahre von der Samenspende erfahren hatte. Hätte er es schon länger gewusst, hätte er kein Anfechtungsrecht mehr gehabt.
- Kann ein Kind den Status bekommen, keinen rechtlichen Vater zu haben? Ja, manchmal gibt es ein berechtigtes Interesse daran, eine Vaterschaft abzuerkennen. Etwa, wenn der Vater Schwerverbrecher ist.
- Was ist, wenn die Mutter bei der Geburt stirbt und keine (auch nicht vorgeburtliche) Vaterschaftsanerkennung erfolgt ist? Wenn nichts festgelegt wurde, muss das Vormundschaftsgericht entscheiden. Wenn aber ein Notarvertrag (mit klaren Absichtserklärungen) vorlag, dann gibt es gute Aussichten auf die Vaterschaft. Der vorgesehene Vater wird dann erstmal Vormund und kann dann adoptieren.
Neuer Termin: An alle interessierten Wunscheltern: nächster Videochat am 27.3.2022 zwischen 17:30 und 18:30.
Sie haben hier die Möglichkeit, sich auszutauschen und Fragen an Mitglieder zu stellen, die den Weg einer Spendersamenbehandlung schon gegangen sind. Bitte kontaktiert uns über videochat@di-netz.de und teilt uns grob schon mal mit, welche Fragen Euch interessieren. Wir werden uns dann bei Euch melden und alles weitere klären.
Wir freuen uns!
An alle interessierten Wunscheltern: nächster Videochat am 27.2.2022 zwischen 17:30 und 18:30.
Sie haben hier die Möglichkeit ,sich auszutauschen und Fragen an Mitglieder zu stellen, die den Weg einer Spendersamenbehandlung schon gegangen sind. Bitte kontaktiert uns über videochat@di-netz.de und teilt uns grob schon mal mit, welche Fragen Euch interessieren. Wir werden uns dann bei Euch melden und alles weitere klären.
Wir freuen uns!
Neu: VideoChat im DI-Netz
Das DI-Netz e.V. bietet mit einem regelmäßigen VideoChat die Möglichkeit, dass
- sich Menschen über die Spendersamenbehandlung informieren und sich mit Familien nach Samenspende austauschen können;
- Kontakte zwischen Wunscheltern angebahnt werden können, die sich auf ihrem Weg der Familiengründung vernetzen wollen;
- sich Mitglieder des Vereins untereinander kennenlernen und vernetzen können
- dass spezielle Themen aufgegriffen werden können
- …..
Alles Weitere und eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme findet Ihr hier!
Informations- und Vorbereitungsseminar am 1.11.2020 in Bielefeld
Anmeldungen werden noch entgegengenommen
Informationsseminar „Familiengründung mit Samenspende – unser Weg!?“
Die Spendersamenbehandlung ist mehr als eine medizinische Methode. Bevor Paare den Schritt wagen, mit Hilfe einer Samenspende ein Kind zu bekommen, machen sie sich einige Gedanken. Manche sehen einer Samenspende mit leichtem Herzen entgegen, andere finden diese Idee zunächst ziemlich befremdlich. In jedem Fall wollen Paare auf Dauer gut mit dem gewählten Weg leben können.
Falls Sie darüber nachdenken, eine Samenspende zu nutzen, hilft es:
- sich so viel fundierte Information zum Thema zu verschaffen wie möglich, damit Sie Ihre Situation kompetent einschätzen können.
- sich Zeit zu nehmen, die Samenspende gründlich miteinander zu besprechen, damit Sie mögliche Missverständnisse aus dem Weg räumen.
- andere Paare kennen zu lernen, die mit den gleichen Fragen beschäftigt sind wie Sie, damit Sie sich mit dem Thema nicht allein fühlen.
Der Rahmen eines Informationsnachmittags bietet daher eine besonders gute Gelegenheit, sich mit der Samenspende auseinanderzusetzen. Das Seminar soll Ihnen helfen, eine gute Entscheidung für oder gegen die Samenspende zu treffen.
Das Seminar bietet:
- Informationen zu juristischen, medizinischen und psychologischen Aspekten der Spendersamenbehandlung
- Informationen zur Wahl des Arztes, der Samenbank und der Spenderauswahl: Was können Sie beachten?
- Informationen über die Entwicklung von Kindern nach Samenspende: Wie geht es den Kindern? Sollten Sie mit dem Kind später über die besondere Zeugungsart sprechen?
- Hilfestellung bei der Überlegung, ob Sie mit Freunden, nahen Verwandten oder Außenstehenden über die Samenspende sprechen wollen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars erfahren, was Eltern und Kinder persönlich über die Familiengründung mit Spendersamen zu berichten haben.
Dabei soll es genügend Raum geben, sich über eigene Gedanken hinsichtlich der Samenspende auszutauschen.
Termine und Ort:
Unsere Info-Nachmittage finden in etwa vierteljährlich statt.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland sind willkommen. Für den Fall einer weiten Anreise sind wir Ihnen gern bei der Organisation einer Unterkunft behilflich.
Die nächstenTermine sind:
Sonntag, 1. November 2020, 11-16 Uhr; Bielefeld
Teilnehmerzahl: 8 – 18 Personen
Kosten:
60 Euro pro Person,
ermäßigt für Mitglieder von DI-Netz e.V. 45 Euro pro Person
Rücktritt: bis 2 Wochen vor Veranstaltungstermin, 50% Erstattung.
Anmeldung:
Per Post oder via Email an info@di-netz.de.
Bitte geben Sie Ihre Postadresse, evtl. Email und Ihre Telefon-Nummer an.
Die Anmeldung ist rechtsverbindlich, wenn der Teilnahmebeitrag überwiesen wurde. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung mit weiteren Informationen nach erfolgreicher Anmeldung.
Seminarleiter und -leiterinnen
Seminarleiter sind Eltern nach Samenspende und Mitglieder des DI-Netz e.V.
Seminare in Bielefeld:
Claudia Brügge, Jg. 67, Psychologische Psychotherapeutin, BKiD-zertifiziert für Beratung bei Gametenspende
Ulrich Simon, Jg. 65, Familientherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut